Logo des B U N D

Newsletter 01/2009

05/04/09

Rundbrief 01/2009

Aktuelles aus dem Rettungsnetz Wildkatze

Inhalt:

Korridorprojekte, u.a.: Korridorprojekt zwischen nordwestlichem Thüringer Wald und Hessen im Raum Gerstungen gestartet.

Vorbereitungen für Zukunftskonferenz angelaufen

Workshop Wildkatzengenetik führt Experten im Wasserschloss Mitwitz in Franken zusammen

Projektbeirat tagte in Hütscheroda am Nationalpark Hainich

Rettungsnetz Wildkatze im Fernsehen

 

Liebe Freunde der Wildkatze,

soweit es unseren aktuellen Hauptförderer, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt betrifft, geht unser Projekt auf die Zielgerade. Offizielles Ende dieser Förderung war der 30. Juni 2009. Nachdem im Januar der Beirat zum Rettungsnetz Wildkatze tagte, ist klar, dass das Projekt – unter Beibehaltung des gegebenen Finanzrahmens - bis zum Jahresende 2009 gestreckt werden kann. Dies lässt uns unter anderem Raum, im Herbst noch weitere Bepflanzungsprojekte umzusetzen. Nach dem Korridor Hainich – Thüringer Wald wird es in Thüringen dann um die Verbesserung der Vernetzung zwischen dem nordwestlichen Thüringer Wald und Hessen gehen. Erste Flächen konnten im Bereich der Werraaue bei Gerstungen erworben werden und sollen noch in diesem Herbst bepflanzt werden. Für das Jahr 2010 und weit darüber hinaus laufen derzeit bundesweit Anträge zur Fortsetzung der Arbeit im Rettungsnetz Wildkatze, die , wie wir hoffen, die nahtlose Fortführung unserer Arbeit ermöglichen werden.

Herzliche Grüße aus Thüringen senden Ihnen Sabine Jantschke und Thomas Mölich vom Rettungsnetz Wildkatze.

*******

Korridorprojekte

Inzwischen laufen beim Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gotha die Vorbereitungen für das Flurneuordnungsverfahren Kälberfeld und damit auch für die Umsetzung des letzten Abschnitts im Korridor Hainich – Thüringer Wald. Für das Verfahren hatten sich 2007 BUND, Gemeinde Hörselberg und der betroffene Betrieb Agrargenossenschaft Hörselberg e.G., der von dem Korridorprojekt unmittelbar betroffen ist, gemeinsam stark gemacht. Dank dem Entgegenkommen der seinerzeit zuständigen Behörde ALF Meiningen und des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt können nun alle Interessenkonflikte im Rahmen eines Flurneuordnungsverfahrens ab 2010 ausgeglichen und die letzte Lücke im Biotopverbund zwischen Hainich und Thüringer Wald geschlossen werden. Im April konnte der BUND Thüringen auch Flächen entlang einer Hauptachse des bundesweiten Wildkatzenwegeplans zwischen den norwestlichen Ausläufern des Thüringer Waldes und dem nach Hessen vermittelnden Werra - Bergland erwerben. Nicht weit entfernt und durch bereits vorhandene Gehölzstrukturen mit der Werraaue verbunden befindet sich der weit und breit einzige für Wildkatzen nutzbare Durchlass zur Unterquerung der Autobahn A4. Entlang der Werra werden hier im Konsens mit dem landwirtschaftlichen Betrieb noch in diesem Herbst 6000 qm Korridorfläche, derzeit noch Intensivgrünland, mit standorttypischen Gehölzen bepflanzt. Eine erste symbolische Pflanzung von 4 Eschen fand bereits am 20. April statt. Bund – Chef Hubert Weiger griff selbst zum Spaten – der BUND - Bundesvorstand war im Rahmen seiner Thüringen – Bereisung in Sachen Wildkatze und Werra – Versalzung vor Ort in Gerstungen unterwegs. Ein Stück weiter südlich im Biosphärenreservat Thüringer Rhön konnten kleinere Lücken entlang der Hauptachse durch die Pflanzung einer etwa 100m langen Baumreihe aus alten Obstbaumsorten geschlossen werden. Dieses Projekt wurde als Beitrag zum Rettungsnetz für die Wildkatze vom Projektteam „Rhönhutungen“ des Landschaftspflegeverbandes Thüringen vorbereitet und vom BUND Thüringen finanziert.

 

Vorbereitungen für Zukunftskonferenz angelaufen

Spannend und herausfordernd dürfte die Durchführung einer Zukunftskonferenz, die wir uns für das Projektjahr 2009 aufgehoben haben, allemal werden. Aber was ist eigentlich eine „Zukunftskonferenz“? Der Erfinder der Zukunftskonferenz, Marvin A. Weisbord, beschreibt es so: „Die Zukunftskonferenz ist eine bemerkenswerte Methode, die es Menschen und Gruppen mit unterschiedlichen Interessen ermöglicht, gemeinsame Ziele zu finden. Im vergangenen Jahrzehnt wurden mit ihr häufig soziale, technische und wirtschaftliche Durchbrüche erzielt, die in konventionellen Konferenzen nicht hätten erreicht werden können. Zukunfts¬konferenzen sind eine optimale Planungsstrategie für unklare "Probleme ohne Grenzen" - für vertrackte Dilemmata, die sich in den Bereichen von Wirtschaft, Umwelt, Beschäftigung, Technologie, Bildung, Gesundheitswesen und Stadtentwicklung heute immer häufiger ergeben. Zukunftskonferenzen basieren auf einer Reihe von Grundprinzipien, mit deren Hilfe die gewünschten Ergebnisse erreicht werden können. Sie ermöglichen auf eine einmalige Art und Weise allen beteiligten lnteressengruppen, ihre gemeinsame Situation besser zu verstehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. An einer Konferenz, die bis zu zweieinhalb Tagen dauern kann, nehmen 30 bis 72 Personen teil. Das Ziel ist eine gemeinsam getragene Vision sowie die Erarbeitung von Maßnahmenplänen zu deren Umsetzung“ Im Naturschutz wurde so etwas unseres Wissens in Deutschland noch nie angewendet - wir betreten also Neuland. Das Besondere an der Methode ist, dass alle Personengruppen, die mit dem jeweiligen Thema zu tun haben, an der Konferenz teilnehmen und so als Ergebnis ein „Produkt“ steht, das von allen unterstützt wird. Bei unserer Konferenz soll es natürlich um die Vernetzung von Waldlebensräumen für Wildkatzen und andere Tierarten gehen. Läßt sich erreichen, dass in absehbarer Zukunft ein Netz von grünen Korridoren genau so konsequent geplant und umgesetzt wird, wie ein Bundesverkehrswegeplan ? An der Vorbereitung der Konferenz sind aktuell 13 Personen u.a. aus den Bereichen Forstverwaltung, Landwirtschaft, Landentwicklung, Landschaftsplanung, Straßenbau und Naturschutz aus Bayern, Hessen und Thüringen beteiligt. Diese Steuerungsgruppe ist auch verantwortlich für die Auswahl und Einladung der Konferenzteilnehmer. Die Konferenz wird vom 11.-13. November in der Rhön stattfinden. Der Weg hin zu einem bundesweiten Netz von Lebensraumkorridoren wie es beispielsweise in der Schweiz und in den Niederlanden im Aufbau ist, ist lang und von vielen Hindernissen gesäumt. Mit der Konferenz wollen wir den Stein, der ins Rollen gebracht wurde, noch einmal richtig in Fahrt bringen.

 

Workshop Wildkatzengenetik führt Experten aus Deutschland und der Schweiz im Wasserschloss Mitwitz in Franken zusammen

Auf Einladung des Bund Naturschutz in Bayern trafen sich im Rahmen des Rettungsnetz Wildkatze Experten aus Deutschland und der Schweiz, um über den aktuellen Stand der Methoden zur Erfassung von Wildkatzen im Freiland zu diskutieren und ihre Erfahrungen auszutauschen. Das Hauptaugenmerk galt dabei der im Rettungsnetz für die Wildkatze seit 2004 eingesetzten und weiterentwickelten Verfahren der Kombination aus „Lockstöcken“, die als Haarsammler dienen und der nachgeschalteten genetischen Analyse der in den Haaren enthaltenen DNA – Spuren. Mit Hilfe der leichter zu bewerkstelligenden Analyse der sog. mitochondrialen DNA konnten Wildkatzen inzwischen vielfach sicher nachgewiesen werden, z.T. auch in Gebieten in denen große Unsicherheit über das Vorkommen der Wildkatze bestand. Schwieriger gestaltete sich bislang die Gewinnung der in den Haaren in ungleich geringeren Konzentrationen enthaltenen Kern – DNA, die es u.a. erlauben würde, einzelne Tiere über ihren genetischen Fingerabdruck wiederzuerkennen. Hier gelang es erstmals in der Schweiz, Lockstockproben genügend Kern – DNA für eine Analyse zu entlocken. Dies ist wie Dr. Carsten Nowak berichtete, nun auch regelmäßig am Forschungsinstitut Senckenberg gelungen. Die Kombination aus Lockstöcken, genetischer Analyse und neueren Fang – Wiederfang – Statistiken eröffnet künftig, wie der Schweizer Zoologe Dr. Darius Weber für ein Wildkatzenvorkommen im Jura zeigen konnte, ganz neue Möglichkeiten der Erfassung und populationsökologischen Bewertung von Wildkatzenvorkommen. Im Rettungsnetz Wildkatze wurden bislang über 600 Lockstock - Haarproben aus Bayern, Thüringen, Hessen und Baden – Württemberg einer genetischen Analyse zugeführt. Die Ergebnisse werden nach Abschluss des Projekts Ende 2009 in einer Gesamtschau veröffentlicht. Dr. Kai Frobel vom Bund Naturschutz in Bayern regte an, den fachlichen Austausch im Rahmen einer ähnlichen Veranstaltung in wechselnder Trägerschaft zu wiederholen.

 

Sitzung des Projektbeirats in Hütscheroda am Nationalpark Hainich

Am 22. Januar tagte in diesem letzten Jahr der laufenden Projektförderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) der von der DBU bestellte Beirat zum „Rettungsnetz Wildkatze“. Die Projektmitarbeiter aus Bayern, Hessen und Thüringen und Projektleiter Thomas Mölich referierten vor dem Expertenkreis den aktuellen Stand des Projekts und erhielten durchweg positive Resonanz. Im Rahmen des bestehenden Finanzierungsansatzes kann das Projekt nun bis zum Jahresende fortgesetzt werden – dies ermöglicht die Realisierung weiterer Bepflanzungsmaßnahmen entlang des „Wildkatzenwegeplans“, da hierfür nun auch der kommende Herbst zur Verfügung stehen wird.

 

Rettungsnetz Wildkatze im Fernsehen

Im Rahmen seiner Reihe „Lexi – TV“ drehte der Mitteldeutsche Rundfunk zuletzt einen einstündigen Beitrag über Katzen, in dem auch über die Wildkatze und das Rettungsnetz für die Wildkatze berichtet wurde - dazu gedreht wurde im Nationalpark Hainich und am „Korridor Hainich – Thüringer Wald“ – der Beitrag lief erstmals am 26.3. und wird auf einzelnen Kanälen der ARD wiederholt.