Logo des B U N D

zum Downloadbereich

Projekt "Waldsäume sind Lebensräume"

Planung einer systematischen Aufwertung von Waldrändern in Thüringen.“ 01.07.2014 – 31.03.2015

Waldsäume weisen als Ökotone zwischen Wald und Offenland naturgemäß eine besonders hohe Artenvielfalt auf. Sie nehmen hinsichtlich der Bewahrung der biologischen Vielfalt in der vom Menschen gestalteten Landschaft Mitteleuropa eine Schlüsselstellung ein – Deutschland weist beispielsweise eine Waldrandlänge von über 500.000 km auf. In Thüringen beläuft sich allein die Länge der Waldaußenränder auf ca. 3800 km.

Waldränder tragen als linienförmige Landschaftselemente damit auch entscheidend zum Biotopverbund bei.

Waldsäume sind aber inzwischen oft „Waldränder an der Nutzungsgrenze“ und können in ihrer häufig vorherrschenden Ausprägung als „Kronentrauf am Ackerrand“ ihr Potential  zur Stabilisierung der Biodiversität  nicht mehr entfalten.

Da Waldsäume unter anderem auch die wichtigsten Jagdhabitate der Wildkatze sind, ist ihre Aufwertung insbesondere auch in den Start- und Zielbereichen von Verbundkorridoren und im noch nicht vollständig von Wildkatzen besiedelten Thüringer Wald eine effektive Maßnahme zur Förderung und zum Erhalt der Wildkatzenpopulation Thüringens – insbesondere in den Naturräumen des Thüringer Waldes und seiner südwestlichen Ausläufer. Mit drei ausgewählten Forstämtern wurden  solche bestimmt, die seit einigen Jahren wieder ein etabliertes Vorkommen der Waldverbund-Zielart Wildkatze besitzen (Marksuhl) bzw. seit einigen Jahren ein schwaches, offenbar stagnierendes Vorkommen der Wildkatze verzeichnen (Weida – Landkreis Greiz) bzw. eine unklare Nachweissituation aufweisen (Saalfeld-Rudolstadt, nur sporadisches Auftreten der Wildkatze).

Im ENL-Projekt „Rettungsnetz Wildkatze: Waldsäume sind Lebensräume!“ wurde gemeinsam mit ThüringenForst eine systematische und umfassende Aufwertung von Waldrändern in zunächst drei Thüringer Forstämtern (Marksuhl, Saalfeld-Rudolstadt (ehemals Paulinzella), Weida) modellhaft geplant. Im Rahmen dieses Modellprojekts wurden mindestens 5 ha strukturarme Waldränder ausgewählt und benannt, deren Überführung in reich strukturierte, lichtdurchflutete Waldsäume bzw. deren Initialstadien ab 2016 umgesetzt werden soll.

Schwerpunkt der Flächenauswahl waren die bestehenden Schutzgebiete innerhalb der Forstamtsbereiche Marksuhl, Saalfeld-Rudolstadt und Weida. Pro Forstamt wurden ca. 35 Kilometer Waldrand kartiert.

Maßnahmenregionen

Maßnahmenregionen (rot) im Forstamtsbereich Marksuhl, Schutzgebiete = blau
Maßnahmenregionen (rot) im Forstamtsbereich Saalfeld-Rudolstadt, Schutzgebiete = blau
Maßnahmenregionen (rot) im Forstamtsbereich Weida, Schutzgebiete = blau

Für die Beurteilung des Ist-Zustandes der kartierten Waldränder wurde ein 5-stufiger Waldrandschlüssel verwendet, der eine vereinfachte Version des Waldrandschlüssels von Krüsi 2010 unter Zuhilfenahme einiger Bewertungskriterien nach Rey 2008 widerspiegelt.

Demnach wurde der Waldrand hinsichtlich folgender Struktur- und Biodiversitätskriterien beurteilt:

  • Waldrandtiefe
  • Strauchgürteltiefe
  • Krautsaumtiefe
  • Verlauf der Waldrandlinie (gerade, leicht geschwungen, buchtig, mit großen Buchten)
  • Hauptbaumart Wirtschaftswald
  • Botanische Vielfalt der verholzten Arten in der Baumschicht und dem Strauchgürtel
  • Kleinstrukturen
  • Alt- und Totholz

Die Maßnahmenplanung richtet sich stets nach der konkreten Ausgangssituation. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Waldrandes für eine langfristige Sicherung und Entwicklung von Waldsaumstrukturen vorzuschlagen.

Dabei wurde der Waldrand hinsichtlich folgender Maßnahmen zur Verbesserung der Struktur untersucht:

  • Auflichtung durch Absenkung des forstwirtschaftlich üblichen Bestockungsgrades
  • Schaffung eines Waldrandinitialstadiums durch weitgehende Rücknahme des geschlossenen Waldbestandes um ca. 30 m
  • bestehende oder ankommende Naturverjüngung
  • Entscheidung über die Pflanzung ausschlagsfähiger Strauch- und Baumarten (z.B. Hasel, Feldahorn, Hainbuche, Weißdorn)
  • Erforderlichkeit entsprechender Wildschutzinvestitionen (Drahtgeflechtzaun / Wuchshüllen)
  • wiederkehrende forstliche Pflege zum Erhalt von noch gut entwickelten Waldsäumen
  • mögliche forstliche Umbaumaßnahmen im randlichen Waldbestand, typischerweise in einer Tiefe von 15 – 20 m, insbesondere wenn die aktuelle Baumartenausstattung zu geringe Anteile von ausschlagsfähigen Laubgehölzen aufweist oder als nicht naturnah einzustufen ist
  • mögliche Schaffung einer weiteren Zone im Übergang zum geschlossenen Wald, die stark durchforstet wird, um hier möglichst dauerhaft einen lichten Waldzustand zu erhalten
  • wiederkehrende Pflege der lichten Strukturen durch abschnittweises „Auf–den–Stock–setzen“ (Esche, Hainbuche, Weide, Feldahorn, …)